Werdegang einer Silberschale

Liebe LeserInnen,

ich bin im 3. Ausbildungsjahr zur Silberschmiedin und freue mich, Ihnen die Arbeiten in unserem Silber Atelier  näher zu bringen.

In dem vorgestellten Projekt geht es um ein Unikat, welches für eine Kundin speziell angefertigt wurde. Die nach alter Schmiedekunst gefertigte Schale, gelang über mehrere Skizzen und Modelle und durch enge Absprache mit der Auftraggeberin zur Vollendung.

Dabei durfte ich einen Grossteil dieser Arbeiten ausführen, mit den Techniken die ich während meiner bisherigen Lehrzeit gelernt habe. Silberobjekte nach alter Handwerkskunst herzustellen ist für mich besonders reizvoll und lehrreich. Ich freue mich schon jetzt, über jede weitere Arbeit die ich für unsere Kunden ausführen darf.

IMG_0876Die Metamorphose zur eindrucksvollen Silberschale fängt bei einer flachen Rondelle aus 925 Sterlingsilber an. Die Rondelle weist einen Durchmesser von 360 mm, eine Stärke von 1.0 mm und ein Gewicht von 1060 Gramm auf.

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Die Bearbeitung beginnt mit einem kreisrunden Anschlag. Dabei verwendet man den Aufziehhammer und als Unterlage ein hartes Stück Holz. Nun wird mit dem Hammer auf die Rondelle geschlagen, so dass sich eine Kante bildet.  Dieser erste Arbeitsschritt dient, nebst dem auf der Skizze festgelegten Durchmesser zu folgen, auch der Stabilität.

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Anschliessend schlägt man von innen nach aussen Falten in das Silberblech. Dabei benutzt man als Unterlage ein speziell gekerbtes Holz.

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Die zuvor geschlagenen Falten werden nun wieder ausgebügelt d.h. mit Muskelkraft und unzähligen Hammerschlägen ineinander verschmiedet, getrieben und gestaucht. Dabei will man das Blech nach oben bringen, also langsam aufstellen und in die dreidimensionale Form treiben.

Die richtige Technik spielt dabei eine grosse Rolle. Wendet man dabei die falsche Technik an, dann können sich Risse im Metall bilden, das Blech kann zu dünn werden oder eine unregelmässige Materialstärke aufweisen, wenn man nicht im richtigen Winkel auf das Stück schlägt. Es kann auch körperlich sehr anstrengend werden mit der falschen Technik.

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Nach einer Umformung von 50-60% wird das Metall so hart, dass eine weitere manuelle Bearbeitung nicht mehr möglich ist. Das Metall muss also wieder weicher gemacht werden. Dazu wird es bei ca. 600°C geglüht und im kalten Wasser abgeschreckt. So baut das Metall die Härte ab und kann weiter bearbeitet werden.

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Diesen Prozess nennt man Rekristallisation und er wiederholt sich während der Bearbeitung 6-8 mal. So wird nach und nach das Stück in seine Form gebracht.

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Um die richtige Schalentiefe zu erreichen, wird der Boden in einer Holz- oder Bleiform ausgetieft.

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Nun wird planiert, d.h. die Schale wird auf eine passende Eisenform gehalten und mit einem flachen Hammer geglättet. Man hämmert die Schale mit einem regelmässig verteilten Schlag ab, so wird sie eben und nimmt beinahe ihre perfekte, geometrische Form an.

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Und so sieht die schon fast symmetrische Schale aus, bevor sie dem Drücker übergeben wird.

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Hier sieht man wie der Drücker die passende Form drechselt.

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Sobald die Form der Schale entspricht wird die Silberschale über das Drückfutter gedrückt.

Dabei stülpt man die aufgezogene Schale über das Drückfutter und spannt sie von einer Seite. Anschliessend kann der Drücker, mit dem dazu passenden Drückstahl, vom Boden der Schale aufwärts das Blech an die Form drücken.

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Nun werden die Verzierungen der Schale angefertigt. Auch hier ist viel Muskelkraft gefragt, wenn die dicken Ringe aus massivem Silber gebogen werden.

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Anschliessend werden sie verlötet und bis zur Montage auf Hochglanz gebracht.

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Die Silberschale soll auf dekorativen Füsschen zum Stehen kommen. Um zu sehen, welche am besten zur Schale passen, wird aus Holz ein Modell gefertigt. Hat man die passende Form gefunden, wird das Modell im Sand abgegossen.

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Dazu verwenden wir 925 Sterlingsilber, welches in einem Feuerfesten Tiegel eingeschmolzen wird.

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Das Silber schmilzt bei ca. 780° Celsius. Der Augenblick, bei dem das feste Metall in den flüssigen Zustand übergeht ist dabei der schönste Moment!

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Innerhalb von Sekunden wechselt es wieder in den festen Zustand.

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Und zum Schluss darf man das gegossene Stück auspacken, fast wie ein Geschenk. Man weiss nie was einen erwartet, ob es gelungen ist oder nicht. Hier ist es nochmals gut gegangen.

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Da alle Teile angefertigt sind, können Sie montiert, verlötet und die Lötstellen versäubert werden.

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Nun wird das Stück überprüft und poliert.

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Spätestens jetzt sieht man, dass sich die aufwendige Arbeit gelohnt hat. Man bestaunt die schöne Schale, freut sich an den gelungen Details und eine grosse Zufriedenheit stellt sich ein.

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Zigarrendose mit Handgravur Zürich

P1100788Jeder Gravur geht zuerst eine zeichnerische Darstellung voraus. Da poliertes Silber wie ein Spiegel reflektiert, muss eine feine Schicht Deckweiss, verdünnt mit Wasser, auf das Silber aufgetragen werden, welche sich nach dem trocknen hervorragend eignet um darauf zu zeichnen.

P1100793Nach mehreren Stunden ist die Zeichnung fertig gestellt. Jede einzelne gezeichnete Linie wird nun von Hand graviert. Wie ein Künstler der mit Pinsel ein Bild malt, so schaffen wir ein Kunstwerk in Silber mit unseren Werkzeugen.

P1100885Unser Werkzeug, Stichel genannt, wird ebenfalls in Handarbeit präpariert und auf die eigenen Bedürfnisse und Ansprüche des einzelnen Graveurs abgestimmt. Dem Graveur stehen mehrere Dutzend Stichelprofile zur Verfügung. Mit viel Geduld und der richtigen Mischung zwischen Feingefühl und Kraft entsteht Linie um Linie ein Unikat. Obschon die Ursprünge der Gravur in den Höhlen unserer Vorfahren, welche Geschichten zeichnerisch in die Wände gekratzt haben, zu finden sind, hat das heutige Handgravieren nicht viel mit Kratzen zu tun. Die Metalloberfläche wird nicht angekratzt sondern es werden Span um Span einige Zehntelmillimeter aus dem Metall geholt.

P1100804Für die kleinsten aller kleinsten Details wird mit der 10-Fach Lupe gearbeitet. Als Vorlage diente ein alter Stich, von dem die wichtigsten Details abgeschaut wurden.

Kopie von DSC_3451Ist jede Linie graviert, wird das Deckweiss und der Schutzlack entfernt und man sieht zum ersten mal das Werk vor sich. Es wird von allen Seiten betrachtet und was noch nicht zufrieden stellend erscheint, wird ergänzt oder nachgebessert bis die Gravur vollendet ist. Zum Schluss sorgt die Hochglanzpolitur für den letzten Schliff.

Vom ersten Zeichnungsstrich bis zur Politur sind mehr als fünf Dutzend Stunden vergangen. Betrachte ich das vollendete Kunstwerk, katapultiert es mich in längst vergangene Zeiten der Stadt Zürich.